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Die alten Dresdner trauern um Egon Luding

15.10.2013

Vor wenigen Tagen in Füssen bei einem internationalen Turnier noch ausgelassen gefeiert, jetzt im Herzen tief getroffen und traurig – das sind die Emotionen, die wir alten Dresdner „Eishockey-Urgesteine“ gegenwärtig durchleben. Unser früherer Oberliga-Trainer Egon Luding ist im Alter von 78 Jahren vergangenen Mittwoch überraschend an Herzversagen gestorben. Er hatte noch so viel vor....und wir mit ihm.

Die Eisfläche des Dresdner „Eishockeystadions“ (Energie-Verbund-ARENA) betrat er das letzte Mal im Januar. Gemeinsam mit Torwart-Legende Klaus Hirche und Rainer Buse warf er den Puck zum Ehrenbully beim 50.Meisterschaftsspiel gegen Weisswasser. Es gab prasselnden Beifall vom ausverkauften Haus. Das erfüllte ihn sichtbar mit großem Stolz ! Anerkennung erfuhr er auch bei der Festveranstaltung des Vereins zur „100-Jahr-Feier- Dresdner Eishockey“ im November 2009. Er war ein gefragter Gesprächspartner und hatte nach 40 Jahren wieder einmal alle seine „Schäfchen“ beieinander.

Während der Skoda-Parade im Rahmen der ARENA-Eröffnung 2007 saß er in Wagen 1, zusammen mit den alt-internationalen Dresdner Schiedsrichtern Bert Schweiger und Peter Sommerschuh. Sein letztes Eishockeyspiel bestritt er in unseren Reihen bei der 1.Ostdeutschen Oldie-Meisterschaft 1997 in Erfurt. Das war vor 16 Jahren und Egon wurde mit „62“ als ältester Spieler des Turniers ausgezeichnet.

Wir, die noch neun aktiven Dresdner „Ur-Gesteine“ in der ALTLÖWEN-Traditionsmannschaft haben in den ganzen Jahren den Kontakt zu ihm gehalten. Gemeinsam mit seiner Frau Sigrid hat er stets mit Freude an unseren Events teilgenommen (Spiele, Turniere, Feiern). Er gehörte immer dazu. Wie auch sein sieben Jahre jüngerer Bruder Ernst (früherer Jugend-Trainer).

Was machte diese Verbundenheit aus ? Egon Luding war ein ehrlicher, ideenreicher, kämpferischer und unterhaltsamer Mensch. Vor einem Jahr, zum „70.“ seines Bruders, hat er zu dessen schwungvollem Gitarrenspiel im Bruder-Duett toll gesungen: „Aho-aha- die Welt ist rund und jeder rutscht mal ab –aho-aha“. In seinem Sportlerleben hat er wahnsinnig viel erlebt und konnte tolle Geschichten erzählen. Begonnen hatte alles in der zweiten Hälfte der 50-er Jahre auf dem Natureis im 10.000-Zuschauer fassenden Stadion an der Lennèstraße. Egon verkörperte den kanadischen Stil: Kampfeswille bis zum Umfallen, Aggressivität, weniger technischer Feinschliff, Tore, Strafminuten. Der Name Luding wurde schnell bekannt und es kam schon mal vor, dass die Zuschauer riefen: „Egon wir wollen Blut sehen....“ In diese Zeit fällt auch der legendäre, im Eisstadion geborene Dresdner Schlachtruf „....7 – 8 – 9 – 10 – Klasse“. Als Stürmer mit der Nr.5 in den grandiosen „Sterne-Trikots“ beendete er seine aktive Laufbahn im Spieljahr `64/65. Zur damaligen Zeit absolvierte er ein Sport-Fernstudium an der DHfK in Leipzig. Das sollte ihm bald von Nutzen sein. Denn bereits im Verlauf des nachfolgenden Spieljahres `65/66 löste er den Trainer der 1.Mannschaft ab. Mit 31 Jahren war er der jüngste Oberligatrainer im DDR-Eishockey. Das Dresdner Eishockey lag am Boden. Zweistellige Niederlagen waren an der Tagesordnung. Egon Luding ging neue Wege, wollte mit neuen Trainingsmethoden und –inhalten (intensives Athletik-Training, Waldarbeit im Frühjahr und Sommer) erfolgreichen Leistungssport. Im Nachwuchs gab es unter Trainer Horst Laux (gest.2002) gut ausgebildete Talente. Die besten (Mohr, Kühne, Hofmann, Knauer, Möbius, Kania) baute er umgehend in seine Mannschaft ein. Parallel dazu bemühte er sich um gute und gestandene Spieler von außerhalb (Rudolph, Leitko, Dietrich, Kopatz, Krause, Berger). Das hieß auch Organisation von Wohnungen, Arbeitsplätzen, Ausrüstungs­gegenständen. Letztere waren nur in mancher Nacht- und Nebelaktion im Nachbarland CSSR zu besorgen... Und er hatte Erfolg ! Das jemals beste Ergebnis aus der damaligen Zeit war ein 0:0-Unentschieden gegen den amtierenden Meister SC Dynamo Berlin wenige Tage vor Weihnachten 1968. An der Bande war ein schwarzer, überlanger Ledermantel sein Markenzeichen, in dessen Taschen ab und an wichtige Gegenstände einzelner Spieler gesichert werden mussten.... Sein Verdienst war es auch, dass mit Roland Scheffler, Steffen Hofmann und mir die ersten Spieler in der „KJS“ (Kinder- und Jugendsportschule) Aufnahme fanden und die Sportart Eishockey platziert werden konnte. Unter seiner Fittiche schafften Klaus Knauer und ich als erste Dresdner Eigengewächse den Sprung in die Junioren-Auswahl und den erweiterten Kader der Nationalmannschaft. Wie aus heiteren Himmel kam es dann im September 1970 zum großen Crash. Das Eishockey in Dresden wurde durch die Sportführung der DDR aufgelöst.

Zusammen mit seinem Bruder Ernst, Rainer Mund und Jürgen Dennhardt wechselte Egon als Trainer zum Eisschnelllauf. Als Cheftrainer des SC Einheit und später des gesamten Eisschnelllaufverbandes der DDR gelangen im Team großartige Erfolge (mehrfache Olympiasiege u. Weltmeistertitel, sowie Weltrekorde durch Karin Kania-Enke u. Christa Luding-Rothenburger).

Er kam `rum in der Welt. Gern erzählte er von seiner Begegnung mit dem norwegischen König oder den abenteuerlichen Pass-Fahrten mit dem B1000 (Barkas) ins schweizerische Höhentrainingslager bei Pontresina. Ein Klassiker war auch die `68-er „Bett“-Geschichte aus dem polnischen Krynica, als er seine jungen Männerspieler nach dem Motto „Ein Coach schläft nie, ein Coach ruht nur“ überraschte.

Als nach der politischen Wende die DDR-Trainer und Sportorganisatoren im vereinten Deutschland nicht mehr gebraucht wurden (....) steckte Egon den Kopf nicht in den Sand, sondern wurde Unternehmer. Er gründete eine Transportfirma und kehrte damit zu seinen jugendlichen Wurzeln zurück. Er war gelernter Autoschlosser und fuhr schnelle Motorräder (aktuell besaß er noch eine HONDA !), einen schnittigen Wartburg-Sport, hatte ein Rennboot und nahm damit an Wettkämpfen auf der Elbe teil, schraubte innig gern an Autos. Das hat er trotz seines „reifen“ Alters bis in die heutigen Tage getan... Er konnte nicht ruhen, musste immer aktiv sein.

Er wird uns fehlen !

 

Text: Karl-Heinz Domschke,  im Namen der „Dresdner Ur-Gesteine“:

Roland Scheffler - Horst Rudolph - Wolfgang Kühne - Dr.Rainer Mund - Rainer Buse -Stefan Berger - Steffen Hofmann - Christian Domschke

 

Bilder: Torsten Fiedler, Michael Söckneck, Igor Semechin

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Egon mit Bruder Ernst

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während Podiumsdiskussion auf 100-Jahr-Feier,

Gert Zimmermann, Joachim Ziesche, Egon Luding (v.l.n.r.)

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bei der Auszeichnung von Richard Richter - Ostdeutsche Oldie-Meisterschaft Geising 2007

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Gesprächsrunde mit Frau und Karl-Heinz Domschke

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im Gespräch mit den Torleuten Roland Scheffler, Horst Rudolph

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ehemals  sehr erfolgreich beim Eisschnelllauf: Dr.Rainer Mund u. Egon Luding

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Fachsimpeln mit Herbert Mohr

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